1968 bot Yamaha also eine sportliche Zweitakt-125er an - mit zwei Zylindern
Was dem Yamaha-Werks-team die Weltmeistertitel bescherte, sollte in ziviler Form auch für den Kunden als Straßen-bike käuflich zu erwerben sein: Fürs Modelljahr 1968 bot Yamaha also eine sportliche Zweitakt-125er an - mit zwei Zylindern. Die YAS-1 legte den Grundstein für eine erfolgreiche Baureihe.
Die Yamaha YAS-1 erblickte in einer ge-| schichtsträchtigen Ära des Wandels das Licht der Zweiradwelt, kam eigentlich zur rechten Zeit. Die Bürger des gebeutelten Nach-kriegs-Deutschlands hatten endlich die Jahre hinter sich gelassen, in denen man Zweirad als Alltagsund Nutzfahrzeug fuhr, weil man sich nichts anderes leisten konnte. Noch Anfang der 1960er stand der Trend zum Auto in seiner Blüte, man fuhr VW Käfer oder, wer es sich leisten konnte, Opel, Ford oder gar Mercedes. Der Zweiradmarkt war kolla-
biert, doch nahm er bereits Anlauf zum Gegenschlag. Der Trick: weg vom Nutz-, hin zum Spaß-, ja zum Luxusfahrzeug. Man leistete sich das Bike zusätzlich zum Auto und frönte dem Zweiradfahren nur so zum Spaß.
In diese Zeit hinein passte der Aufstieg der japanischen Motorradhersteller, deren Produkte zunehmend nach Amerika und auch nach Europa schwappten. Und was, wie im Falle von Yamaha, nach ersten von freien Händlern importierten Maschinen dazu führte, dass man einen offiziellen
mporteur installierte. Auf der IFMA in Köln präsentierte das Handelshaus Mitsui 1964 erstmals Motorräder der Marke Yamaha. Der Anfang war zäh, doch das Engagement der Japaner (auch Honda) im Rennsport half, das Image des Zweirads zu verbessern und die Serienprodukte bekannt zu machen. Bekannt war Yamaha vor allem für seine Zweitakter. Weltklassefahrer wie Phil Read errangen die ersten Weltmeistertitel, auch bei den 125ern: Schon 1967 gewann Bill Ivy den Titel in der Achtelliterklasse, 1968 dann Phil Read. Das sportliche Image
färbte auf die angebotenen Straßenmotorräder ab, aber auch die Technik profitierte von den Entwicklungen der Renner.
Zweizylinder auch bei den 125ern
So führte Yamaha 1967 auch in der kleinen Achtelliterklasse ein, was in den größeren Hubraumkategorien gängig war: Mit der YAS-1 erblickte ein Zweizylinder-Zweitakter das Licht der Zweiradwelt, während die deutsche Konkurrenz von Zündapp, Maico oder Hercules noch auf den EinzylinderZweitaktmotor setzte. Die Erfahrungen aus dem Rennsport flossen also auch in die Serienmodelle ein - so verfügten zwar die ersten, 1967 ausgelieferten Typen noch über das Dreikanalsystem, doch bot bereits die 1968er-Version der YAS-1 das neu entwickelte Fünfkanalsystem. Der schlitzgesteuerte Zweizylinder basiert in seiner Grundkonstruktion auf der bereits 1964 in Japan vorgestellten (noch langhubigen) AT 90 - in der 125er-Variante jedoch mit Werten von jeweils 43 Millimetern für Bohrung und Hub nun quadratisch ausgelegt. Ansonsten hat
sich an der Grundkonstruktion des Motors mit dem vertikal teilbaren Motorgehäuse und der vierfach gelagerten Kurbelwelle wenig geändert. Fortschritt zeigt sich jedoch wiederum bei bei der Kraftübertragung per neuem Fünfganggetriebe.
Stark, drehfreudig, leicht - und schnell
Mit ihren 15 PS bei 8500/min erreichte die YAS-1 bereits 125 km/h Spitze und ermöglichte dank ihres geringen Gewichts von nur 110 Kilogramm (vollgetankt) beachtliche Beschleunigungswerte. Vor
allem mit seiner Drehfreude begeisterte der Motor, dessen Leistung bei Nenndrehzahl nicht zusammenbricht, sondern der munter bis 10 000/min weiter dreht, aber auch mit seinem turbinenartigen, fast vibrationsfreien Lauf.
Nicht zuletzt dank getrennter und üppig ver-rippter Zylinder gilt der Zweizylinder als thermisch gesund, auch die Kolbengeschwindigkeit von nur 12,2 m/sek bei Nenndrehzahl 8500/min ist deutlich im unkritisch niedrigen Bereich. Natürlich besitzt auch der YAS-1-Motor die Yamaha-eigene Ge-
trenntschmierung, das sogenannte Autolube-Sys-tem. Über den Gasgriff dosiert, wird die Fördermenge der Ölpumpe per Seilzug und Verteiler reguliert, der 1,6 Liter fassende Öltank sitzt im rechten, abklappbaren Seitendeckel. Geschätzt, und einst im Test gelobt, wurden auch die hohe Verarbeitungsqualität und das saubere Finish.
Kritik an der YAS-1 wurde allenfalls laut in Bezug auf den zu kleinen Benzintank (9,5 Liter), die reichlich harte Hinterradfederung und den schon von anderen Yamaha-Modellen bekannten, zu grodem Twin zu 22 PS verholfen haben. Außerdem stellte man der Straßenversion YAS-1 ein Scrambler-Modell mit breiterem Lenker mit Querstrebe sowie hochgelegten Auspuffrohren und Hitzeschutz zur Seite, die YAS-1C.
Anfangs nahmen die „echten“ Motorradfahrer den kleinen 125er-Renner nicht wirklich für voll, sahen mehr ein aufgepumptes Moped in ihm als ein echtes Motorrad. So konnte Mitsui in Deutschland nur rund 200 Exemplare der YAS-1 unters Volk bringen. Anders sah es im
benachbarten Frankreich aus: Dort konnten bereits im ersten Jahr 1968 rund 400, im Folgejahr gar über 1000 Stück abgesetzt werden. Wer also heute eines der raren Schätzchen sucht, sollte schon mal seine französischen Sprachkenntnis-se auffrischen. Zum damaligen Neupreis von 1849 Mark, umgerechnet also knapp 950 Euro, dürfte man allerdings heute vergeblich nach einem gut erhaltenen Exemplar wie etwa unserem von Yamaha Motor France zur Verfügung gestellten Fotobike suchen. □
Yamaha yas-1
MOTOR: Luftgekühlter, schlitzgesteuerter Zweizylinder-Zweitaktmotor, Bohrung 43 mm, Hub 43 mm, 124 cm3, Verdichtung 7:1, 15 PS bei 8500/min, zwei 17er-Mikuni-Rundschiebervergaser, Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kettenantrieb FAHRWERK: Stahl-Einrohrrahmen, unten offen, Telegabel vorn, Zweiarmschwinge hinten, Simplex-Trommelbremse vorn u. hinten, Gewicht (vollgetankt) 110 kg, Tankinhalt 9,5 l HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT: 125 km/h NEUPREIS (1968): 1849 Mark



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